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Mit dem Reisemobil durch Europa
Vereintes Europa
Reisemobiltouristen haben es heutzutage gut: Vorbei sind die gar nicht so fernen Zeiten, als sie sich in vielen Reiseländern Europas noch mit einer Außenseiterrolle begnügen und einem zweifelhaften Image abfinden mussten. Heute wetteifern nicht nur die großen Drei im Reisemobiltourismus ? Frankreich, Italien und Deutschland ? um die mobilen Gäste, auch weitere attraktive Reiseländer bereiten gezielt Stellplätze für Reisemobile vor.

von Jürgen Dieckert



Ehre, wem Ehre gebührt: Frankreich hatte in Sachen Stellplatz europaweit die Nase vorn. Schon in den frühen neunziger Jahren, als in Deutschland noch Verbotsschilder für Reisemobile und Desinteresse an dieser Gästegruppe weit verbreitet waren, hießen Hunderte von Kommunen die mobilen Reisenden herzlich willkommen. Und das nicht nur mit warmen Worten und bunten Broschüren, sondern auch mit dem, was Reisemobilfahrer sich am meisten wünschen: guten Stellplätzen.

Die Franzosen taten sich allerdings auch leicht. Caravaning genießt bei unseren Nachbarn seit jeher eine hohe Akzeptanz, steht dort als gleichberechtigte Urlaubsform neben der Pauschalreise oder dem Urlaub in der Ferienwohnung. Und daher trafen die Kommunen auch nicht auf größeren Widerstand, als sie daran gingen, spezielle Angebote für diese Zielgruppe auszuweisen.

Cap Breton: Beliebter Stellplatz an der französischen Atlantikküste.
Diese Offenheit zeigt Wirkung bis heute: Frankreich steht gerade auch bei deutschen Reisemobilfahrern in der Gunst ganz oben. Und das ist wahrlich kein Wunder: Von der Normandie über die Bretagne, durch die Pays de la Loire und Poitou-Charentes zieht sich eine Kette mit hunderten offizieller Stellplätze die gesamte Küste von der Nordsee bis nach Aquitanien an der spanischen Grenze entlang. Europaweit vorbildlich: die Bretagne. Egal, wohin die Reise im äußersten Nordwesten Frankreichs auch führt, der Weg zum nächsten offiziellen Reisemobil-Stellplatz ist in der Bretagne nie sehr weit.

Die meisten Stellplätze in Frankreich verfügen zumindest über eine Grundausstattung zum Ent- und Versorgen, häufig sind auch Stromanschlüsse vorhanden. Besonders auffallend: Die meisten Stellplätze verbannten clevere Bürgermeister und Touristiker nicht in das touristische Nirgendwo am Stadtrand, sondern installierten sie genau dort, wo das Herz des Urlaubsgeschäftes schlägt: am Meer, an Häfen, Klippen, Küsten, Stränden, Seen oder aber in zentraler Ortslage.

Auch wenn es an der Mittelmeerküste und in manchen Regionen im Binnenland nicht ganz so gut aussieht, bis heute spielt Frankreich eine führende Rolle im europäischen Reisemobiltourismus ? späte Wirkung einer weisen Entscheidung.

Lugana Marina: Großzügig angelegter Reisemobilhafen am Gardasee.
Nicht ganz so dicht, aber immer noch sehr attraktiv fällt auch das Stellplatznetz in Italien aus. Die Toskana und die Marken, Umbrien, Ligurien und die Emilia-Romagna haben sich inzwischen als ausgesprochen gute Adressen für den Urlaub in und mit dem Reisemobil etabliert. Und hier gilt Ähnliches wie in Frankreich: Viele der Stellplätze liegen in attraktiven Urlaubsorten am Meer oder in den Bergen - Reisemobilisten werden in Italien seit vielen Jahren als willkommene Gäste gesehen. Und das gilt inzwischen sogar auch für viel besuchte Regionen wie etwa den norditalienischen Gardasee.

Anlage und Ausstattung der Stellplätze sind auch in Italien im Umbruch. Wo noch vor wenigen Jahren in erster Linie umgewidmete Parkflächen als Übernachtungsplatz mit landestypisch einfachen Ent- und Versorgungseinrichtungen dominierten, da schieben sich heute in den touristisch attraktivsten Regionen immer mehr gut ausgestattete Reisemobilhäfen in den Vordergrund; viele davon sind in privater Hand.

Dinxperlo: Einfacher Stellplatz auf dem Parkplatz P4, Aaltenseweg.
Weiße Flecken finden sich allerdings auch noch auf der italienischen Stellplatzkarte. Speziell im hohen Norden des Landes, in Südtirol, lassen sich gute Stellplätze noch an den Fingern einer Hand abzählen. Doch auch dort lässt sich Aufbruchstimmung spüren, öffnen die ersten ausgezeichneten Stellplatzprojekte eine bisher verschlossene Region. Diese Entwicklung, man muss kein Prophet mehr sein, pflanzt sich jetzt in anderen Länder fort. In den Niederlanden und in Belgien, in Dänemark und Schweden, auch in Polen oder Spanien gibt es aufgeschlossene Kommunen und Investoren mit guten Angeboten. Der Siegeszug der Stellplätze durch Europa ist nicht aufzuhalten.

Wie sich die Stellplatzsituation in Deutschland sowie den deutschsprachigen Nachbarländern darstellt, schildern ausführlich die folgenden Kapitel.