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Stellplatzlandschaft Schweiz
Aller Anfang ist schwer
Ähnlich wie das benachbarte Österreich zeigt auch die Schweiz im Reisemobiltourismus zwei Gesichter: Den zahlreichen Naturschönheiten und Attraktionen stehen nur wenige wirklich gute Stellplätze für Reisemobile gegenüber, die sich zudem auf den französischsprachigen Westen des Landes konzentrieren. Wie sich auch das Land der Eidgenossen den mobilen Gästen öffnen könnte, zeigt vor allem die Region um den Lac Neuchâtel.

Von Jürgen Dieckert

Westschweiz: Zwischen Genfer und Neuenburger See zeigt sich die Schweiz am reisemobilfreundlichsten.

Schweizer Reisemobilfahrer zieht es in immer größerer Zahl in den deutschen Südwesten. Auf den ausgezeichneten Stellplätzen im südlichen Schwarzwald oder am Oberrhein sind ihre oft sehr großen und komfortablen Fahrzeuge nicht zu übersehen, die zum Teil geradezu überschwänglichen Lobeshymnen ihrer Besitzer auf die deutschen Stellplatzbetreiber nicht zu überhören. Tenor: So etwas müsste es auch bei uns in der Schweiz geben. Gibt es aber noch nicht: Das Stellplatznetz ist dünn und löcherig.

Logische Folge: Die Schweiz ist ähnlich wie Österreich in der Beliebtheitsskala deutscher Reisemobileigner auf den vorderen Plätzen nicht zu finden. Laut Grundlagenstudie zum Reisemobiltourismus in Deutschland gilt Frankreich noch vor Italien als die reisemobilfreundlichste Urlaubsregion Europas. Die Schweiz hingegen kann sich im Gegensatz zu Österreich nicht einmal unter den ersten Zehn platzieren.

Doch ganz so trist und traurig präsentiert sich die Schweizer Stellplatzszene nun doch nicht - es gibt auch im Land der Eidgenossen bereits die ersten bemerkenswerten Projekte. Diese konzentrieren sich vorerst noch im französischsprachigen Westen des Landes, im Wallis und an den Ufern des Neuenburger Sees. Ein Auf- und Ausbau guter Stellplätze in der deutschsprachigen Schweiz steht nach wie vor aus.

Briegels: Modell-Stellplatz auf einem Parkplatz an der Talstation.
Mit den Stellplätzen in Neuhausen unweit des berühmten Rheinfalls oder in Steckborn am Bodensee haben sich unweit der deutschen Grenze zwei rühmliche Ausnahmen von dieser Regel etabliert. Und in Brigels, dem beliebten Ferienort auf einem sonnigen Plateau auf 1283 Meter Seehöhe inmitten der Graubündener Alpen, ist Schweizer Reisemobilisten in Kooperation mit der Kommune ein echter Coup gelungen: Auf dem Parkplatz an der Talstation der Bergbahnen bietet sich zumindest in der warmen Jahreszeit ein ordentlicher Stellplatz mit entsprechender Ausstattung an.

Gemeinsam mit zwei weiteren Vorzeige-Projekten, dem privat geführten Stellplatz in Ennetbühl und dem kommunalen Stellplatz in Samnaun-Dorf, gibt es damit nunmehr einige Beispiele mit Vorbildfunktion für ihre Umgebung und benachbarte Regionen. Bei gezieltem Ausbau und entsprechender Vermarktung markiert dies für clevere Touristiker und Investoren eine interessante Marktlücke, die es zu füllen gilt.

Saint-Blaise: Guter Stellplatz zwischen Stadt, Hafen und Lac de Neuchâtel.
In der französischsprachigen Schweiz kommt dieses Beispiel aus dem Neuenburger Land, der Region also um den Lac Neuchâtel. Hier findet sich die bis heute beste Infrastruktur für Reisemobilisten im gesamten Land - angefangen von klassischen Stellplätzen der zweiten Kategorie in gut besuchten Seeorten wie Saint-Aubin-Sauges oder St. Blaise, in denen die Reisemobile in See- beziehungsweise Hafennähe über Nacht stehen können, über Etappenstationen bei reisemobilfreundlichen Gaststätten wie dem Hotel-Restaurant La Croisée in Boudevilliers bis hin zu privat geführten Stellplätzen wie dem Parc Relais in Salavaux am südlichen Seeufer. Und es werden immer mehr: Mit dem Stellplatz in Concise-au-Lac oder dem Platz neben dem Camping von Portalban runden zwei weitere Orte das ohnehin schon gute Angebot ab.

Eins aber bleibt aber auch hier festzuhalten: In den meisten Fällen handelt es sich bei den Stellplätzen um einfachere Angebote. Klassische Reisemobilhäfen bilden auch in diesem Teil der Schweiz noch eine absolute Ausnahme - am ehesten fällt noch der große, begrünte und gut ausgestattete Stellplatz von Portalban in diese Kategorie.

Saint-Léonard: Wochenend-Stellplatz im Herzen des Weinortes.
Dieses gemischte Bild setzt sich weiter im Süden fort. In der ländlichen Region zwischen dem Neuenburgersee und dem Genfer See finden sich diverse Stellplätze, die aber zumeist weder den Standard noch die Kapazität besitzen, größere Übernachtungszahlen zu generieren. Erst im Wallis hellt sich dieses Bild wieder ein wenig auf. Vor allem der Stellplatz im Weindorf Saint Léonard verdient Anerkennung, mit Abstrichen auch der Übernachtungsbereich neben dem Hotel-Restaurant Relais de la Sarvaz in Saillon und der Stellplatz an der Talstation von Champéry am Ende des Val d'Illiez.

In großen Teilen der Zentralschweiz hingegen fällt das Stellplatz-Angebot weitaus weniger einladend aus. Wie in vielen anderen Reiseländern gilt das natürlich in erster Linie für die größeren Städte, aber erstaunlicherweise auch für die zahlreichen Wintersportorte. Die Kombination von Seilbahn, Skigebiet und wintertauglichem Stellplatz findet sich im Alpenraum nur in wenigen Wintersportorten dar - Schweizer Skiregionen könnten sich bei geschickter Stellplatzanlage schnell ein Alleinstellungsmerkmal in der europäischen Stellplatzlandschaft verschaffen.